von Claudia Groehn
26.12.2009

DIE WAHRHEIT MACHT UNS ZU FREUNDEN

Greifbare Perspektiven für ein gelingendes Miteinander

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Die Wahrheit macht uns zu Freunden

<span>Wie Christen morgen miteinander leben wollen</span> Anselm Grün, Jörg Zink ISBN 978-3-7831-3365-3

(„Die Wahrheit macht uns zu Freunden“ 17,95 Euro )
Der katholische Ordenspriester Anselm Grün und der evangelische Pfarrer Jörg Zink haben den Mut zu einem entwaffnend ehrlichen Dialog über die eine christliche Kirche. Voll von gegenseitiger Wertschätzung stellen sie sich den Chancen und Problemen ihrer jeweiligen Konfession.

Einander Zuhören
Im gegenseitigen Zuhören haben die beiden Theologen Anselm Grün und Jörg Zink miteinander das Gespräch gesucht. Sie sind der Überzeugung, dass sie so an der Herkunft, der Geschichte und der Erfahrungswelt des anderen Teil haben können. Ihr zutiefst menschenfreundlicher und versöhnlicher Umgang zeigt dem Leser eine Gesprächskultur, die einander weiter bringt und durch die sich beide auch verändern lassen (S. 26).

Liebeserklärungen an die katholische und evangelische Kirche
Schon der Einstieg in das bewegte Gespräch ist wohl zu beachten. Beide Theologen beginnen damit, sich gegenseitig zu offenbaren, was sie an Ihrer Kirche lieben und, das ist besonders, was sie an der Kirche des anderen lieben. Doch dabei bleibt es nicht. Schon hier sprechen sie auch aus, was ihnen an der eigenen Kirche missfällt und was noch wachsen muss. Diese kurze Bestandsaufnahme macht das begonnene Gespräch erst möglich. Beide Gesprächspartner können darauf vertrauen, dass der Andere nicht verletzen will, sondern es jedem um die eine verbindende Wahrheit geht: Jesus Christus, seine Gestalt, sein Wort und sein Werk (S.177).

Jesus Christus in vielen Gesichtern
Eine weitere Gesprächsgrundlage ist die Zusage, dass Christus in vielen verschiedenen Bildern anschaulich wird. Diese darf es auch geben, jedoch nicht nach Konfessionen getrennt. Vielmehr sind sie aus der jeweiligen Tradition und Erfahrung der Menschen hervorgegangen. Den Gesprächspartnern geht es dabei vor allem um die spirituelle Dimension des Eins-werden und nicht zuerst um die Institutionelle Einheit zwischen den Konfessionen.

Ökumenische Bewegung oder Stagnation?
Anselm Grün und Jörg Zink stellen fest, dass sich in den letzten Jahren um das ökumenische Gespräch Enttäuschung breit gemacht hat. Dabei fragen sie sich besonders, warum die Kirchen immer wieder anstarren, was ihnen am Anderen falsch erscheint und nicht das Gute sehen.
Sie erörtern gemeinsam die fruchtbaren und gescheiterten Dialoge und Chancen nach dem für die Ökumene so bedeutungsvollen Aufbruch des zweiten vatikanischen Konzils. Hoffnungsvolle Zeichen waren dort von der Kirche ausgegangen (S.43ff; S. 151f).

Heute, gut vierzig Jahre später, sieht sich die Kirche in der Erwartung enttäuscht, dass durch das Konzil die Einheit schon so gut wie besiegelt sein könnte. Übertreibungen in der Rezeption des Konzils und Ängste, die eigene Identität zu verlieren, haben dazu beigetragen, dass sich beide Konfessionen verstärkt voneinander wegbewegen und sich merklich auf ihre eigenen Traditionen und Identitäten zurückziehen. Zwar erhoffen sich die Konfessionen heute nach wie vor mehr Gemeinschaft unter den Christen, dennoch kann man heute von einer gegenseitigen „institutionellen Gefangenschaft“ sprechen, die lähmt und verengt.

Brisante und relevante Themen, die in diesem Dialog zur Sprache kommen sind u.a. das Amt und die Sukzession, Primat und Unfehlbarkeit des Papstes, Eucharistie und Abendmahl sowie die Einigung über die Rechtfertigungslehre.

Greifbare Perspektiven für eine gemeinsame Zukunft
Ganz im Sinne des zweiten Vatikanischen Konzils eröffnen die Autoren Wege einer Kirche, die sich nicht mehr aus dem Kirchenrecht und als hierarchische Struktur versteht, sondern als Volk Gottes auf dem Weg, als solidarische Gemeinschaft in Freude, Hoffnung, Trauer und Angst der Menschen. Neben vielen anderen Ideen ist es vornehmlich Aufgabe der einen Kirche, den Menschen beizustehen.
Als Christin in der Diaspora erlebe ich die dringende Notwendigkeit einer gut gelebten Ökumene. Wir Christen können uns diese Spaltung heute nicht mehr leisten. Pater Anselm und Pfarrer Zink zeigen einen versöhnlichen Weg, bei dem jeder seine Identität behält und trotzdem ein Miteinander gefunden werden kann.

Für wen ist das Buch?
Ein Buch für alle, die mehr über ihre, die katholische und evangelische Kirche erfahren möchten und sich nicht mit Vorurteilen begnügen; auch als Geschenk für alle konfessionsverschiedenen Ehen, Familien und Lebensgemeinschaften, vor allem in Diasporaregionen.

Die Wahrheit macht uns zu Freunden Wie Christen morgen miteinander leben wollen

Anselm Grün, Jörg Zink, Kreuz Verlag, Freiburg 2009, 220 Seiten, 21,5 x 12,5 cm

ISBN 978-3-7831-3365-3
ISBN-10: 3783133653
17,95€
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