von Christoph Seidl
18.2.2011

KLEINE SAKRAMENTENLEHRE

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Kleine Sakramentenlehre

Leonardo Boff ISBN 978-3-491-77054-6

(„Kleine Sakramentenlehre“ 12,90 Euro )
Was sind Sakramente? Leonardo Boffs „Kleine Sakramentenlehre“ schafft es, erzählerisch wie theologisch sehr gut verständlich, einen Zusammenhang zwischen der alltäglichen Lebenswelt der Menschen und der Erfahrung von Gottes Gegenwart im persönlichen Leben herzustellen.


Buchauslese sprach mit Christoph Seidel über die „Kleine Sakramentenlehre“ von Leonardo Boff.

Was hat Sie an diesem Buch begeistert?
Das Buch bzw. die „Langform“ (Dissertation von L. Boff) ist mir im Studium schon begegnet und hat damals in mir mehrere Lichterketten aufgehen lassen. Ich habe damals verstanden, dass das „Mystische“ der Sakramente, das mir vorher als zu groß, zu heilig, zu unzugänglich erschien, etwas mit meinem ganz alltäglichen und konkreten Leben zu tun hat. Insbesondere das „Sakrament des Zigarettenstummels“ hat sich nachhaltig in meinem Gedächtnis und auch in meinem Herzen eingegraben. Mit diesen Gedanken ist es mir schon oft in der Schule oder Erwachsenenbildung gelungen, Menschen einen lebendigen Zugang zu den Sakramenten zu eröffnen.

Worum geht es in dem Buch?
Leonardo Boff gelingt es in seinem Buch, erzählerisch wie theologisch einen Zusammenhang herzustellen zwischen der alltäglichen Lebenswelt der Menschen und der Erfahrung der Gegenwart Gottes im persönlichen Leben. Theologisch spricht man bei „Sakrament“ zwar sehr einfach, aber schwer nachzuvollziehen, von der „Tranzsparenz der Tranzendenz in der Immanenz“, also etwa vom „Durchleuchten der göttlichen Wirklichkeit im Alltag“. Boff wählt sehr gekonnt Episoden aus seinem Leben, die für ihn zu Schnittstellen für Gottes Präsenz geworden sind.
So lässt er einen Wasserbecher aus seiner Kindheit erzählen, mit dem er zwar zunächst nur seinen Durst gelöscht hat, der aber auch all das versinnbildlicht, was ihm seit seiner Kindheit Lebenskraft geschenkt und sie erneuert hat. Ferner geht es um den letzten Zigarettenstummel seines Vaters, der nicht nur für die letzte Zigarette vor dessen Tod, sondern auch für all das steht, was Boff seinem Vater zu danken hat. Weitere Gegenstände wie Brot und eine Weihnachtskerze sind für den Autor Schlüssel zum Verständnis seiner Lebensgeschichte geworden, in der er insgesamt das Wirken Gottes erkennt. Diese Sichtweise „von innen her“ kann begreiflich machen, was die Kirche unter „sakramental“ versteht. Und damit können natürlich ebenso Menschen sakramentale Bedeutung haben (wie zum Beispiel der Grundschullehrer) wie ein ganzes Haus – worüber Boff die Brücke zu Christus als dem Ursakrament und zur Kirche als Grundsakrament schlägt.

Ein Wort zum Autor Leonardo Boff?
Leonardo Boff ist u.a. durch seinen Einsatz in der „Theologie der Befreiung“ mit Rom in Konflikt geraten. Seine Sakramentenlehre stammt jedoch aus der theologischen Anfangszeit. Als Dissertation bei Leo Scheffczyk (München) erschien sie 1970 unter dem Titel „Die Kirche als Sakrament im Horizont der Welterfahrung“. Der damalige Zweitkorrektor Professor Joseph Ratzinger hatte sich positiv darüber geäußert und die Veröffentlichung finanziell unterstützt.
Das Spannende an seiner theologischen Darstellung ist ein sakramentaler Blick für die alltägliche Wirklichkeit, der für die sieben Sakramente der Kirche einen sehr lebensnahen Zugang eröffnet.

Hat das Buch Stärken oder Schwächen?
Ich halte das Buch für eine absolut empfehlenswerte Veröffentlichung zum Thema Sakramente. Es ist sowohl preisgünstig als auch handlich, es lädt auf jeder Seite zum Weiterlesen ein und vermittelt schon in kurzer Zeit, worum es dem Verfasser geht. Alle theologisch wichtigen Begriffe der Sakramentenlehre (z.B. Ursakrament, Grundsakrament, die Siebenzahl, ex opere operato) werden auf einleuchtende Weise erläutert und in einen verständlichen Bezug zur Lebenswelt der Menschen gestellt.
Natürlich darf man sich von der 120 Seiten umfassenden handlichen Ausgabe keine erschöpfende Abhandlung mit allen Aspekten der Dogmengeschichte, des Kirchenrechts und der Liturgie erwarten. Aber der neue Blick, den die Kleine Sakramentenlehre eröffnet, ist absolut eine Bereicherung.

An wen richtet sich das Buch?
Die kleine Sakramentenlehre eignet sich für den theologisch interessierten Laien ebenso wie für alle Hauptamtlichen in der Pastoral und im Religionsunterricht. Weil es Freude macht, dieses Büchlein in einem Zug durchzulesen, und weil es eine Fülle von anschaulichen und leicht nachvollziehbaren Beispielen bietet, eignet sich das Buch für die Verwendung in der Sakramentenkatechese (sicher auch schon in der Erstkommunionvorbereitung) ebenso wie in der Erwachsenenbildung.

Gefällt ihnen die Gestaltung des Buches?
Übersichtliche Kapiteleinteilung, angenehmes Schriftbild, allein das Inhaltsverzeichnis ist schon aufschlussreich. Ich nehme das Buch gerne zur Hand!

Was kann das Buch bewegen?
Für mich ist das Buch beeindruckend, weil es die Sakramentenlehre aus mystischer Unnahbarkeit in die Erfahrbarkeit des konkreten Lebens herein holt. Es schafft – obwohl die Gedanken über vierzig Jahre alt sind und das Buch in der 18. Auflage vorliegt – heute einen lebendigen Zugang zu einem Zentralbereich des christlichen (Katholischen) Glaubens. Dabei eröffnet die Boff‘sche Brücke zwischen Alltagswelt und göttlicher Präsenz auch ökumenische Perspektiven.

Kleine Sakramentenlehre

Leonardo Boff, Patmos Verlag 2010, 18. Auflage, 120 Seiten, broschiert, 18,6 x 11,6 x 1,2 cm

ISBN-10: 3491770548
ISBN-13: 978-3491770546
12,90€
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