von Anonym
15.6.2011

VERWANDLE DEINE ANGST

Christliche Lebenshilfe

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Verwandle deine Angst

<span>Ein Weg zu mehr Lebendigkeit-Spirituelle Impulse</span> Anselm Grün ISBN 378-3-451-28980-4

(„Verwandle deine Angst“ vergriffen, ab 30.9.2011 als Taschenbuch erhältlich 12,- Euro) Man kann nach Anselm Grün die Angst nicht wegzaubern, aber es ist möglich, ihr die Bedrohlichkeit zu nehmen – die Angst vor der Angst. Grün ermuntert mit seinem Buch, sich mit Hilfe der Worte des Evangeliums, mit der eigenen Angst auszusöhnen.

„Verwandle deine Angst“ lautet Anselm Grüns Aufforderung an eine Leserschaft, die wie viele Andere, unsere Zeit als eine Generation der Unsicherheiten und Ängste (Psychologe Wolfgang Schmidbauer) erleben. Daniil Granin, ein russischer Romanautor, spricht sogar von einem Jahrhundert der Angst. Anselm Grün sieht die Ursachen gegenwärtig erlebter Bedrohungen in den verdrängten Ängsten aus der Kriegsgeneration, aber auch in den, angesichts wirtschaftlicher Krisen, brüchig gewordenen Fortschrittsidealen. Angst und Aggression sind daraus die Folge.
Ausgehend von dieser Einschätzung verfolgt Grün mit seinem Buch „Verwandle deine Angst“ die Aufgabe, die verschiedenen Ängste zu beschreiben, aber auch ihre Funktion und damit ihren Wert aufzuzeigen. In einem biblisch-spirituellen Zugang beschreibt Grün einen Weg, der Angst zwar nicht zu überwinden vermag oder sie gar definitiv ausmerzen kann, aber sie, indem wir uns von der Angst vor der Angst befreien,  verwandeln kann.

Die Angst als Wegweiser

Zunächst ist es Anselm Grün ein wichtiges Anliegen, die Angst nicht nur als jenes negative Gefühl wahrzunehmen, das ein Leben in Fülle verhindert. Die Angst, davon ist Grün überzeugt, übernimmt auch viele wichtige Funktionen. Als Warnsystem etwa wirkt Angst zum Schutz vor gefährlichen Situationen und als Mobilisierung kann sie ungeahnte und lebenswichtige Kräfte aktivieren. In spiritueller Hinsicht zeigt uns die Angst die Grenzen unserer eigenen Macht und unseres Lebens. Gerade weil sie Endlichkeit aufzeigt, verweist sie auf etwas, was möglicherweise ohne jede Grenze ist, deshalb wird Angst oft auch mit Sehnsucht in Zusammenhang gebracht (z.B. bei Kafka).

Ausdifferenzierung der Ängste
Angst hängt mit dem Wort Enge zusammen. Es handelt sich dabei um eine Beengung des Herzens. Angst ist immer auch Angst vor etwas. In achtzehn Kapiteln beschreibt Grün die verschiedenen Ängste, die er alle in der Bibel wieder findet. Es dreht sich bei diesen Ängsten meist um die Themen des Loslassens, des Urteilens und der Beziehungen zu anderen Menschen.

  • Loslassen

Eine wichtige Angst ist diejenige vor dem Loslassen, der Haltlosigkeit, in die man zu fallen droht, wenn etwas Unvorhersehbares passiert oder wenn man die Kontrolle über eine Situation verliert. Auch die Angst vor der Zukunft oder allgemein vor Neuerungen geht mit dieser Angst vor dem Loslassen einher. Grün führt zu jenen Stellen im Evangelium, die sich mit dieser Erfahrung auseinandersetzen.

  • Urteil

Die Hauptangst dreht sich in vielen Fällen um das Beurteilt werden durch Andere, durch sich selbst oder durch Gott, indem man ihn als verlängerten Strafarm des Vaters benutzt. Diese Furcht, nicht angenommen zu sein hat viele weitere spezifische Ängste zur Folge: die Angst sich zu blamieren, nicht zu genügen, vor dem Tod das eigene Leben verurteilen zu müssen und die Angst vor Gott. Zu dieser Tendenz, zu urteilen und beurteilt zu werden, die das Leben zu einer Art Prüfungssituation werden lässt und Gefühle der Minderwertigkeit erzeugt, rät Grün, sich nicht weiter auf das Urteil Anderer zu fixieren und zeigt mit diversen ermutigenden Bibelstellen, wie die bedingungslose Annahme durch Gott uns selbst befreien kann. Die wichtigste Heilquelle ist dabei die Selbsterkenntnis: wer sich selbst kennt, braucht nicht zu fürchten, dass etwas Verborgenes über einen selbst unverhofft und vernichtend zutage treten könnte. Walter Benjamin sagt, das Glück bestehe darin, seiner selbst, ohne zu erschrecken, inne zu werden.

  • Beziehungsangst

Eine weitere wichtige Angst dreht sich um Beziehungen. Diese oft schon in der Kindheit angelegten Ängste, verlassen und verletzt oder nicht genügend geliebt zu werden, kann Beziehungen durch Überforderung und Misstrauen gefährden. Die Verlagerung von der Menschenfurcht zur Gottesfurcht ist der jesuanische Weg, die Abhängigkeiten in Beziehungen zu relativieren, weshalb er sagt: „Fürchtet euch nicht vor denen die den Leib töten, sondern fürchtet euch vor dem, der Seele und Leib ins Verderben der Hölle stürzen kann“ (Mt 10,28) Dort, wo wir ganz uns selbst sind, ist der Ort der persönlichen Berufung und der Unverletzlichkeit durch Andere.

Die inhaltliche Gestaltung des Buches, als Auffächerung der verschiedenen Ängste über achtzehn Kapitel hinweg, ohne weitere Bündelung dieser inhaltlich reichhaltigen Sammlung, kann als Kritik zwar angefügt werden. Vielmehr denke ich aber, dass „Verwandle deine Angst“ für jeden Menschen wertvolle Impulse enthält, sich mit seinen eigenen Ängsten auseinanderzusetzen und diese, unterstützt durch die Glaubenserfahrungen der Bibel, als wichtige Lebensfunktion zu entdecken und anzuerkennen! Sicher ist das Buch auch ein wertvoller Begleiter und Ratgeber für alle, die in der Seelsorge und Lebenshilfe tätig sind.

Verwandle deine Angst Ein Weg zu mehr Lebendigkeit-Spirituelle Impulse

Anselm Grün, Herder, 2006, 157 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag, 22 x 14 cm

ISBN-10: 3451289806
ISBN-13: 978-3451289804
16,90€
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