von Christoph Seidl
03.1.2012

DEM STERBEN LEBEN GEBEN

Trauerbewältigung für Familien und Angehörige

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Dem Sterben Leben geben

<span>Die Begleitung sterbender und trauernder Menschen als spiritueller Weg</span> Monika Müller ISBN 13: 978-3-597-06802-2

(„Dem Sterben Leben geben“ 14,95 Euro) Unter den zahlreichen Büchern zum Lebensende und zur Sterbebegleitung fällt das Buch von Monika Müller aus der Reihe: Es nimmt den Leser mit auf eine Reise durch die Vielfalt des Lebens und rät nicht nur, dem Sterben Leben zu geben, sondern sich beizeiten „das Leben zu nehmen“ (S. 15).

Diese makaber klingende Formulierung hat etwas mit dem Geist dieses Buches zu tun. Monika Müller hat auf der Suche nach einer spirituellen Praxis im Leben so manches ausprobiert und eingeübt. In der Begleitung Sterbender hat sie schließlich das Gesuchte gefunden: Sie hat erfahren, dass diese Lebensphase voll von tiefen menschlichen Einsichten ist, die jedem offen stehen, auch dem religiös nicht so bewanderten Menschen. Diese Einsichten laden geradezu dazu ein, sich ihrer zu bedienen und für das eigene Leben zu profitieren – nicht aus selbstsüchtigen Motiven, sondern weil das Leben alle beschenkt, die es miteinander teilen.

Eine spannende Mischung aus selbst erlebten Fallbeispielen, Weisheitsgeschichten, Gedichten und philosophischen Sätzen macht das Lesen ebenso kurzweilig wie eine Fülle reizvoller Überschriften für überschaubare Kapitel.

Obwohl es sich um ein zweifellos schweres, vielleicht sogar das schwerste Thema des Lebens handeln, verströmt das Buch eine Leichtigkeit beim Lesen, die nahezu Lust darauf macht, sich mit der Lebensweisheit des Sterbens eingehender zu befassen.

Der Leser bleibt bei vielen zu Herzen gehenden Beispiele für den Wert des Lebens und der Menschlichkeit hängen:
Da ist ein kleiner Junge, der monatelang sein Taschengeld opfert, um einen hinkenden kleinen Welpen zu kaufen, der sonst eingeschläfert werden müsste, weil er selbst eine eiserne Beinschiene trägt und weiß, was es heißt, nicht richtig gehen zu können. Da beschenkt eine Tochter ihre 93jährige Mutter, die sich im Lokal mit zittriger Hand den Kaffee übers Kleid schüttet damit, dass sie dafür kein Geschimpfe erntet. Die 80 jährige Bewohnerin eines Pflegeheims, an Parkinson erkrankt, nimmt ihr Zittern mit Humor und ist froh, dass sie so in Bewegung bleibt und nicht so schnell einrostet.

Monika Müller erkennt hinter den vielen traurigen und doch schönen Lebensepisoden das Wirken des Geistes und erklärt sie so zu spirituellem Nährboden. Sie spricht zum Beispiel vom Geist der Ergänzung, der sowohl dem Kranken zum „Heil“ – zur Ganzheit – wird als auch dem Begleitenden, der neue Seiten des Lebens erfährt; vom Geist der Absichtslosigkeit und der Hilflosigkeit, die sie nicht als Defizite, sondern als Bereicherung versteht; vom Geist der Befeuchtung, weil auch Humor (lat. Feuchtigkeit) eine wichtige Hilfe zur Bewältigung von Schwerem ist.

Der sympathische Grundton dieses Buches rührt nicht zuletzt daher, dass es Spiritualität nicht als eine zusätzliche Leistung in ohnehin schon schwerer Zeit vorstellt. Ein spiritueller Weg darf vielmehr sogar Spaß machen (S. 184). Monika Müller sagt das auf keiner Seite ihres Buches leichtfertig. Sie überzeugt damit, weil sie es in der Schwere des Lebens erfahren hat.

Dem Sterben Leben geben Die Begleitung sterbender und trauernder Menschen als spiritueller Weg

Monika Müller, Gütersloher Verlagshaus, 2004, 192 Seiten, gebunden, 20 x 12,5 cm

ISBN 13: 978-3-597-06802-2
14,95€
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